Stille Süchte

03.03.2015 17:37 (zuletzt bearbeitet: 03.03.2015 17:38)
avatar  Friedel
#1
avatar

Medikamentenmissbrauch: Die stille Sucht
Dtsch Arztebl 2005; 102(14): A-950 / B-805 / C-752
Rabbata, Samir

Medikamentenabhängigkeit ist ein weit verbreitetes Phänomen: vor allem Frauen sind stark betroffen.
Arzneimittelmissbrauch bleibt vom Umfeld der Betroffenen oft lange unbemerkt. Die Bundesärztekammer will Hausärzten mit einem Leitfaden nützliche Hinweise an die Hand geben.

Weder liegen sie auf Bahnhofstoiletten, noch torkeln sie durch Fußgängerzonen. Medikamentenabhängige leiden eher unauffällig unter einer Krankheit, die anders als Drogen- und Alkoholmissbrauch öffentlich kaum wahrgenommen wird. Mit verheerenden Folgen, wie Zahlen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) belegen: Mit mindestens 1,4 Millionen Betroffenen gibt es in Deutschland mittlerweile ähnlich viele Medikamentenabhängige wie Alkoholiker. Fast noch mal so viele missbrauchen Arzneimittel, indem sie zu oft zu viele oder schlicht für ihre Beschwerden die falschen Medikamente einnehmen. Zum Vergleich: Die Zahl der Abhängigen von so genannten illegalen Drogen wird auf 200 000 bis 400 000 geschätzt.
Doch anders als bei Heroinabhängigen vollzieht sich der tägliche Griff in die Hausapotheke im privaten Umfeld – oft nicht einmal bemerkt von Freunden und Familie. Meist gebe es nur wenige erkennbare Anzeichen für Arzneimittelmissbrauch, sagt Karin Mohn von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Betroffen seien zu zwei Dritteln Frauen, die meisten von ihnen eher angepasst, sozial integriert und nicht selten ausgesprochen leistungsorientiert.
Verordnenden Ärzten obliegt besondere Verantwortung
Die Palette der missbräuchlich eingenommenen Pillen ist lang. Etwa sechs bis acht Prozent aller viel verordneten Medikamente bergen ein mitunter hohes Suchtpotenzial. Hierbei handelt es sich vor allem um Benzodiazepine oder benzodiazepinhaltige Präparate. Prof. Dr. Gerd Glaeske, Leiter der Arzneimittelversorgungsforschung am Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen, schätzt, dass alleine von dieser Medikamentengruppe 1,1 Millionen Menschen dauerhaft abhängig sind. Nach Meinung der DHS kommt den Ärzten deshalb eine besondere Verantwortung zu. Die Suchtexperten verweisen auf Untersuchungen, wonach im Durchschnitt sieben Prozent der Patienten von Allgemeinärzten und Internisten Medikamente mit Suchtpotenzial über einen so langen Zeitraum verordnet bekommen, dass eine Abhängigkeit wahrscheinlich ist. Auch Prof. Dr. med. Bruno Müller-Oerlinghausen, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, vermutet, dass vor allem Beruhigungsmittel nicht unbedingt zu häufig, wohl aber oft zu lange verordnet werden.
Die Bundesärztekammer (BÄK) will nun gegensteuern: Gemeinsam mit einer Gruppe von Fachleuten arbeitet Prof. Dr. med. Ingo Flenker, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe und Vorsitzender des BÄK-Ausschusses „Sucht und Drogen“, an einem Leitfaden für Hausärzte. Die in den nächsten Monaten erscheinende Publikation soll nützliche Hinweise zum Umgang mit Arzneimittelabhängigen geben. Ziel sei es, Medikamentenmissbrauch zu erkennen und zu vermeiden, betont Flenker.
Denn entdecke der Hausarzt einen Missbrauch oder eine Abhängigkeit, sei dies eine wichtige Motivation für den Patienten, sich einer Therapie zu unterziehen, meint DHS-Expertin Mohn. „Gerade Medikamentenabhängige erweisen sich oft als besonders kooperativ.“ Doch spielt die medizinische Versorgung Medikamentenabhängiger in der professionellen Suchtkrankenhilfe allenfalls eine untergeordnete Rolle. So stehen nach Angaben der DHS jährlich 163 000 Behandlungsfällen von Alkoholkranken nur rund 2 000 Behandlungsfälle von Medikamentenabhängigen gegenüber. Vor allem fehle es an Angeboten, die speziell auf die von Medikamentenabhängigkeit besonders betroffenen Frauen zielen, beklagt Mohn. Viele Suchtberatungsstellen könnten frauenspezifische Angebote finanziell nicht tragen. Hinzu komme, dass Medikamentenabhängige sich nach eigener Einschätzung nicht zur Zielgruppe von Suchtberatungsstellen zählten und deshalb von entsprechenden Angeboten nur selten Gebrauch machten.
Abhilfe schaffen soll nun das von der DHS gemeinsam mit dem Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) herausgegebene Handbuch „Nicht mehr alles schlucken . . .! Frauen. Medikamente. Selbsthilfe.“ (*) Ziel sei es, bei Arzneimittelabhängigen verstärkt Selbsthilfe zu etablieren, was bei Alkoholkranken bereits bewährte Praxis sei, meint Dr. Alfons Schröer, Leiter der Abteilung Gesundheit beim BKK-Bundesverband. Das Handbuch richtet sich insbesondere an Betroffene, die eine Selbsthilfegruppe für Frauen aufbauen wollen. Zudem finden Interessierte Informationen zu Arzneimittelmissbrauch sowie Literaturtipps und Kontaktadressen. Samir Rabbata
(ein guter Artikel)

Das DRK bietet mittlerweile eine Gruppe für Frauen mit Suchtproblemen an. Wir händeln es in unseren Gruppen so, dass wir keine klassischen Alkoholikergruppen haben, sondern wir nennen sie Suchtgruppen. Ich bin immer dafür, dass jeder der ein Suchtproblem hat, bei uns in die Gruppe kommen kann. Gerade bei einer Medikamentenabhängigkeit bin ich immer wieder dankbar, dass sich bei mir keine Suchtverlagerung verfestigt hat, denn nahe daran war ich sehr oft. Bei uns sind Spieler, Menschen mit illegalen Suchtproblemen oder Medikamentenabhängige herzlich willkommen!!!
Einmal süchtig - immer süchtig, so bin ich, aber ich tue auch etwas dafür - und zwar gehe ich regelmäßig in eine Selbsthilfegruppe, das ist meine Lebensversicherung.

LG Friedel


 Antworten

 Beitrag melden
Bereits Mitglied?
Jetzt anmelden!
Mitglied werden?
Jetzt registrieren!