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Warum Abstinenz nicht die einzige Methode gegen Alkoholsucht ist

#1 von Theodor , 09.03.2017 09:45

Ich erlebte oft das auf das Thema Kontrolliertes Trinken in Gruppen sehr allergisch reagiert wurde, und ich fragte mich damals schon warum?
"Ist doch egal welschen Weg man geht, auch wenn er für mich nicht in frage kommt, Hauptsache mann macht einen ersten Schritt!" sagte ich oft.
"Die meisten werden schnell merken das es nicht funktioniert und weitere Wege suchen, und wenn jemand damit zurecht kommt? na da lass sie doch! Hauptsache sie machen sich Gedanken über den Alkohol!"

Ich finde den folgenden Artikel aus Focus Online durchaus sehr interessant!


Warum Abstinenz nicht die einzige Methode gegen Alkoholsucht ist
Der Umgang mit Alkoholsucht hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Neben völligem Verzicht gilt heute auch reduzierter Alkoholkonsum als akzeptables Therapieziel. Medikamente können zudem helfen, das Verlangen zu steuern. FOCUS-Gesundheit verrät, welche Therapien helfen.
1,8 Millionen Menschen in Deutschland sind alkoholabhängig. „Und ebenso viele üben einen sogenannten schädlichen Gebrauch“, sagt Karl Mann, Suchtmediziner am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim.
Sie alle bräuchten Behandlung oder Beratung. Doch weniger als zehn Prozent der Betroffenen werden therapiert. „Wir haben ein gut funktionierendes und erfolgreiches Suchthilfesystem, aber kaum einer geht hin“, konstatiert Karl Mann.

Zur Abstinenz verdammt
Die Scheu hat einen Grund. Wer in Deutschland Hilfe suchte, musste sich bislang zur Abstinenz verpflichten. Nur mit völligem Verzicht auf Alkohol, so die Lehrmeinung, könne eine Therapie gelingen. Dazu konnte oder wollte sich kaum jemand entscheiden. Schon gar nicht all jene Zu-viel-Trinker, die ihren Konsum zwar kritisch sehen, sich aber keinesfalls als Alkoholiker betrachten.
Ab sofort wird das anders. Seit Januar 2015 gelten neue Leitlinien zur Prävention und Behandlung von Alkoholabhängigkeit.
Die wichtigsten Punkte: frühzeitige Kurzintervention, zum Beispiel durch Hausärzte, die Menschen mit riskantem Trinkverhalten vor Abhängigkeit bewahren soll.
Neue Medikamente, die helfen, den Alkoholkonsum zu drosseln. Und sogenannte „zieloffene Suchtarbeit“, bei der die Ratsuchenden mitbestimmen, ob sie den Konsum ganz einstellen oder lediglich reduzieren wollen. Das kann man durchaus als Sinneswandel bezeichnen, wenn nicht als kleine Revolution.
Joachim Körkel fordert das schon lange. Seit 1984 arbeitet der Psychologe als Suchttherapeut. „Als ich anfing, hieß es noch: Jeder, der in der Abstinenzbehandlung Alkohol konsumiert, will gar nicht abstinent sein“, erinnert er sich.

Kontrolliertes Trinken
Wer trank, flog raus. Körkel, der heute das Institut für innovative Suchtbehandlung und Suchtforschung an der Evangelischen Hochschule Nürnberg leitet, zweifelte und scherte aus.
1999 entwickelte er das Konzept des „Kontrollierten Trinkens“, das an die Eigenverantwortung der Patienten appelliert. Diese erfassen zuerst ihre Trinkmenge – oft mit der Feststellung, dass sie ihren Konsum unterschätzt haben.
Dann definieren sie ihre persönlichen Ziele: die Anzahl alkoholfreier Tage pro Woche, die maximale Tagesmenge und die wöchentliche Gesamtmenge. In einem Trinktagebuch führen sie täglich Protokoll über das Quantum.
Dort werden auch die Trinksituation und die Gefühlslage beim Alkoholkonsum festgehalten, um individuelle Risikofaktoren zu erkennen


Jede Woche Bilanz ziehen
Wöchentliche Gespräche mit einem Therapeuten dienen dazu, Bilanz zu ziehen und aus „Ausreißern“ zu lernen. 30 bis 60 Prozent der Teilnehmer schaffen es, ihre Trinkmenge zu reduzieren, sagt Körkel. Zehn bis 30 Prozent fänden zur Abstinenz.
Neuerdings helfen auch Medikamente, das starke Verlangen nach Alkohol, das sogenannte Craving, zu unterdrücken. Menschen mit sehr hohem Konsum nehmen die Mittel gezielt vor dem geplanten Trinken ein, um früher aufhören zu können.

Eine Pille gegen die Sucht
In Deutschland ist seit September 2014 Nalmefen auf dem Markt. Wie das schon länger erhältliche Naltrexon blockiert es Opiatrezeptoren im Gehirn, was den Trinkgenuss mindert. „Mit dem Medikament und einer niedrig dosierten Beratung – zehn bis 15 Minuten Gespräch pro Visite – haben die Patienten ihren Konsum auf 40 Prozent der Ausgangsmenge reduziert“, berichtet Studienleiter Karl Mann.
Anti-Craving-Mittel sollten allerdings nur in Verbindung mit psychosozialer Betreuung verschrieben werden. „Eine perfekte Pille gegen die Sucht gibt es nicht“, stellt Neurologe und Psychiater Heinz von der BerlinerCharité klar. „Medikamente sind nur die Krücke. Laufen lernen muss der Patient.“
Wer dabei ins Straucheln gerät, kann sich auch wieder fangen. Rückfälle bedeuten nicht das Ende der Therapie.

Alkoholkonsum beobachten
Generell sollte jeder Wein- und Biertrinker seinen persönlichen Alkoholkonsum kritisch im Blick behalten. Dauerhaftes Zu-viel-Trinken löst schwerwiegende Erkrankungen wie Leberzirrhose, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs aus.
Für Männer gelten bis zu 24 Gramm reiner Alkohol pro Tag als risikoarm. Dieses Quantum ist schon in einem halben Liter Bier oder 0,2 Liter Wein oder vier einfachen Schnäpsen à 0,02 Liter enthalten.
Frauen können nur die Hälfte trinken, ohne organische Schäden und Abhängigkeit zu riskieren. Experten raten, mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche einzulegen. Denn auch regelmäßiger Genuss kleiner Mengen führt möglicherweise dazu, dass aus Gewöhnung Verlangen wird und aus Verlangen Sucht.

Aus Focus Online Diese neuen Wege führen aus der Sucht


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