Trauerarbeit mit Kindern und Jugendlichen

#1 von Friedel , 03.02.2015 11:22

Dass Sterben in unserer Gesellschaft tabuisiert wird, ist hinlänglich bekannt. Trotzdem findet Sterben statt: täglich, überall, unterschiedslos in allen Kreisen und Altersgruppen, plötzlich, erwartet, selten ersehnt, meistens gefürchtet, fast immer verdrängt. Betroffene Angehörige müssen feststellen –schlimmer noch: erleben- dass dem Sterben, das unseren Liebsten schon sprichwörtlich alles abverlangt hat, nun die Trauer folgt, die über uns Angehörige wie ein nicht enden wollender Alptraum hereinbringt.

Die vielfach beschriebenen Phasen des Trauerprozesses wecken bei nicht Betroffenen den Eindruck, Trauern sei eine Art vorübergehender Missstimmung, die auch wieder verfliegt. Tatsächlich stellt Trauer jedoch einen massiven Einschnitt oder gar Bruch im Leben des Trauernden dar. Es handelt sich um Schwerstarbeit, die höchst individuell geleistet werden muss und das unfreiwillig. Trauer kann misslingen, kann in schwerster Depression und Selbsttötung enden – und sie kann gemeistert werden. Dauern tut sie in jedem Fall, und zwar für immer, denn Trauer geht niemals ganz! Im Idealfall reiht sie sich irgendwann ein in das Spektrum aller Facetten, die menschliche Existenz, das Leben ausmacht. Dann stellt sie sogar eine gewisse Bereicherung dar. Der Trauernde weiß mehr, hat mehr erlebt als seine nicht trauernden Mitmenschen.

Erwachsene vermitteln Kindern durch ihre tabuisierende Grundhaltung dem Sterben gegenüber den Eindruck, dies sei ein unpassendes Thema, Friedhöfe ungute Orte, um Bestattungsunternehmen sei ein großer Bogen zu machen, gewisse Fragen würden besser nicht gestellt etc.
Dabei wird wichtige Zeit der Kinder verschwendet: nämlich sich Vorwissen über Sterben und Trauern zu erwerben, solange sie nicht selbst betroffen sind. Wie soll das Kind mit seiner Trauer umgehen, wenn es dann tatsächlich selbst mit dem Sterben eines lieben Angehörigen oder des geliebten Haustiers konfrontiert wird?

Ist für Trauer im normalen Alltag des familiären Umfeldes kein oder nicht genug Raum, hilft die Begegnung mit ebenfalls trauernden Kindern oder Jugendlichen im Rahmen einer spezifischen Trauergruppe, echte Gemeinschaft zu erfahren.
Ein akuter Sterbefall bedeutet, dass definitiv nichts im Leben des Kindes bleibt, wie es war: Einsamkeit, Verlassenheits-. Schuld- und Schamgefühle, Wut, Selbstwerteinbruch, die Erfahrung, plötzlich Außenseiter zu sein (weil die anderen Angst vor einem haben) – sind die neue Lebenswirklichkeit des betroffenen Kindes.

Der eigene Verlust, der als höchst isolierendes Einzelschicksal erfahren wird, relativiert sich in der Begegnung mit wirklich verstehenden Menschen im besten Sinne, wenn nämlich die Erkenntnis reift, dass schließlich früher oder später jeder sterben wird und es viele ebenfalls Trauernde gibt, sogar Kinder.
Was im angelsächsischen Raum längst etabliert ist, sollte auch hier im Odenwaldkreis lebenden Kindern und Jugendlichen als wichtiges Angebot zu Gesundheitsfürsorge und Stärkung ihres sozialen Umgangs ermöglicht werden.

Leider hat die bisherige Begleiterin der Trauergruppe für Kinder plötzlich aufgehört und wir suchen Menschen, die es sich zutrauen, eine solche Gruppe von Kindern und Jugendlichen ehrenamtlich zu begleiten. Das DRK bietet Unterstützung in Form von Fortbildungen an. Die Kosten hierfür werden vom DRK übernommen.

Wir würden uns sehr freuen, wenn sich Interessierte bei uns melden würden. Vielen Dank!!

Kontakt: 06062 60760 oder 0162 2578112

 
Friedel
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zuletzt bearbeitet 25.02.2015 | Top

   

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