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  • Alternativen zu Selbsthilfegruppen Datum28.05.2019 08:03
    Foren-Beitrag von S.E. im Thema

    Hallo Theodor,

    vielen Dank für deine beeindruckende Geschichte!

    In einer Gruppe war ich noch nicht. Ich bin, wie gesagt, nicht der Kontaktmensch. Mein Freundeskreis beschränkt sich schon seit Kindesalter vielleicht auf eine Handvoll Menschen.
    In das Forum zu schreiben hat wirklich gut getan, allerdings ist das wieder eine andere Schiene, als dieses Eye-to-Eye-Ding. Sobald ich was getrunken habe, bin ich in der Beziehung aufgeschlossener. Das Forum ist ja so eine Alternative, von der ich sprach. Für mich angenehmer als in einer Gruppe über Probleme zu reden, die für Außenstehende vielleicht gar nicht nachvollziehbar sind.
    Warum ich das allein mit mir ausmachen will? Bisher habe ich alle Hürden mit mir selbst ausgemacht, warum sollte es jetzt anders werden?
    Ich habe mich jahrelang selbst verletzt. Und nein, das war kein Schrei nach Aufmerksamkeit. Das ist eine Aussage, die einige meiner damaligen Mitmenschen mir entgegengebracht haben. Selbst heute Jahre später, in einem komplett anderen Umfeld meinen noch Leute, sobald sie die (natürlich) vorhanden Narben sehen, mir sagen zu müssen, dass dies ein Zeichen von mangender Aufmerksamkeit gewesen sei. Aus diesem damaligen Tief bin ich ohne Hilfe raus gekommen.
    Einige Zeit später wechselte ich den Wohnort und damit auch das Umfeld. Bin irgendwie in die Drogenszene gerutscht. Auch hier war ich jahrelang voll dabei. Habe sämtliche Drogen genommen, die man sich nur vorstellen kann. Von pflanzlichem Zeug, bis hin zur puren Chemie. Es verging kein Tag, an dem ich nicht drauf war. Auch aus diesem Loch bin ich ohne fremde Hilfe irgendwie raus gekommen. In diesem Fall war es vielleicht von Vorteil, dass ich sehr introvertiert bin. Ich bin damals berufsbedingt hunderte Kilometer weit weg gezogen. Kein Kontakt zum Dealer = keine Drogen. Andere Leute ansprechen? No Way!
    Ich weiß also, dass ich solch Hürden mit mir allein ausmachen kann.

    Wie war das bei dir, wenn du "Lust" auf Alkohol hattest? Wie bist du damit umgegangen?

    LG

  • Alternativen zu Selbsthilfegruppen Datum27.05.2019 09:27
    Thema von S.E. im Forum Alkohol

    Hallo zusammen,

    ich möchte mich erst einmal kurz vorstellen. Ich bin Sandra, 31 Jahre, 2 Kinder. Ich lebe gerade in Trennung einer 10jährigen Beziehung.
    Seit etwa 4 Jahren hat sich mein Alkoholkonsum drastisch erhöht. Ursache dafür könnte vermehrter Stress auf Arbeit und in meiner (Noch-) Ehe sein. Ich trinke täglich so viel, dass ich mich an den vorherigen Abend kaum bis gar nicht erinnern kann. Seit einiger Zeit habe ich einen neuen Partner gefunden, der mich auf meinen übermäßigen Alkoholkonsum ansprach und mich vor 3 Monaten bat, diesen zu reduzieren bzw. aufzuhören zu trinken. Es ging einige Tage lang gut, bis ich wieder anfing zu trinken. Die Gründe dafür kann ich gar nicht sagen. Das ging wie gesagt 3 Monate so. Mittlerweile hat er sich von mir abgewandt. Das war ein Zeichen für mich, etwas zu ändern. Er meinte, ich solle mir professionelle Hilfe suchen, sonst funktioniert unsere Beziehung nicht.
    Ich bin jetzt kein Mensch, der sich ganz offen Vis á vis anderen Menschen anvertraut (das liegt nicht an dem Alkohol, das war ich einfach noch nie). Selbsthilfegruppen sind absolut nicht mein Fall, also suchte ich nach Alternativen. Ich habe von einem Alkohol-Tagebuch gelesen und dieses angefangen. Es ist nicht so, dass ich Entzugserscheinungen habe, wenn ich nichts trinke. Ich fange nicht an zu zittern oder unruhig zu werden, wenn ich keinen Alkohol trinke. Ich habe bisher seit 3 Tagen keinen Alkohol getrunken und weiß, ich schaffe auch noch weitere. Ich gestehe mir ein, dass ich ein Alkoholproblem habe, allerdings ist es (noch) keine extreme Sucht. Wenn ich trinke, höre ich nicht mehr auf. Da kann es schon mal vorkommen, dass ich ohne weiteres 3 und mehr Flaschen Sekt an einem Abend trinke. Ich trinke auch ab und an schon morgens. Das beschränkt sich aber von der Menge her auf vielleicht ne halbe Flasche Sekt.
    Gerade im Moment bin ich dabei, mein Umfeld zu ändern. Ich habe meinen Job, der viel zu dem Alkoholproblem beigetragen hat, gekündigt und einen neue Stelle gefunden. Ich werde mich jetzt auch räumlich von meinen (Noch-) Mann, der ebenfalls sehr viel trinkt, trennen, um einfach diesen täglichen Kontakt mit Alkohol zu vermeiden.
    Wenn ich die Webseiten der Beratungsstellen hier in der Gegend durch sehe, klingt das immer so sehr nach "Extrem-Fällen". Entzug etc. sind keine Dinge, die bei mir notwendig sind. Gibt es hier in dem Forum jemanden, der es ohne eine Beratungsstelle, also ausschließlich via Forum oder ähnliches, geschafft hat, sein Alkoholproblem in den Griff zu bekommen? Haltet ihr so etwas für denkbar? Mein neuer Partner ist wenig begeistert von der Idee. Er meint, ohne professionelle direkte Hilfe, funktioniert das nicht.
    Ich bin gespannt auf Erfahrungsberichte.

    LG und einen schönen Montag zusammen

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